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Entdecke Mimo Tashlas Profil

 

Mimo Tashla ist Tänzer*in, Choreograf*in und Performer*in. Seit November 2023 schreibt Mimo Artikel für das Tanzrezensionsportal tanzschreiber. Als ehemalige tanzschreiber-Autorin war ich neugierig, mit Mimo über das Schreiben und den Einfluss der Autor*innenarbeit auf das künstlerische Schaffen zu sprechen.

Maria: Du schreibst jetzt seit über zwei Jahren für tanzschreiber. Nach welchen Kriterien suchst du dir die Stücke aus, über die du schreibst?

Mimo: Einerseits gibt es die Kriterien, die von tanzschreiber selbst festgelegt werden: Das breite Spektrum der Spielstätten soll abgebildet werden; Es sollen vorzugsweise Premieren besucht werden; Es geht um Künstler*innen, die ihre Basis in Berlin haben etc. Andererseits wähle ich sehr interessenbasiert aus. Ich suche mir gerne queer-feministische Stücke, gesellschaftspolitische Stücke aus, da ich es spannend finde, wie diese Themen auf der Bühne mit unterschiedlichen Mitteln verhandelt werden.

Maria: Wenn ich deine Texte lese, dann habe ich das Gefühl, dass du sehr zugänglich schreibst. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele verschiedene Menschen anhand deiner Beschreibungen eine Vorstellung machen können, was auf der Bühne passiert ist. Zusätzlich habe ich den Eindruck, in eine sehr persönliche Perspektive einzutauchen. Als Leserin werde ich zu den Fragen, die du dir im Publikum stellst, mitgenommen. Worauf legst du beim Schreiben den Fokus?

Mimo: Super, wenn das funktioniert. Ein großes Thema für mich generell ist die Zugänglichkeit in Bezug auf Kunst. Das kommt teilweise aus dem eigenen Klassenhintergrund und teilweise davon, dass ich in vielen Stücken sitze und mir denke: Warum ist das alles so bildungsbürgerlich? Einiges kann ich natürlich nachvollziehen. Wenn ich über mein Stück schreibe, dann will ich auch, dass es ganz, ganz toll klingt. Und dementsprechend benutze ich bestimmte Terminologien und muss mich quasi selbst verkaufen. Gleichzeitig macht so etwas ein Stück sehr unzugänglich. Dazu kommt, dass zeitgenössischer Tanz selten eine klare Geschichte erzählt. Es geht nie darum, etwas Konkretes zu verstehen, sondern um eine Auseinandersetzung mit sich selbst. Als zuschauende Person darf ich mir aktiv die Geschichte selbst erzählen. Das ist für mich das Spannende und Tolle am zeitgenössischen Tanz und das hat auch etwas Selbstermächtigendes für das Publikum. Beim Schreiben ist mir daher wichtig die Balance zu finden, die Dinge festzuhalten, die auf der Bühne passieren und sie aus meiner persönlichen Erfahrung und Positionierung zu beschreiben. Das ist immer eine spannende Tension: Wie viel darf ich von mir selbst einbringen und gleichzeitig außenstehenden Personen einen guten Eindruck vom Geschehenen vermitteln? Im Allgemeinen ist es eine sehr persönliche Erfahrung, wie sehr mich das bewegt, was gerade auf der Bühne passiert. Das hat selten etwas mit Qualität zu tun, sondern oft einfach damit, welche Themen mich gerade beschäftigen und welche Stilmittel mich gerade besonders catchen. Stilistisch versuche ich Aspekte des Stückes in der Art und Weise des Schreibens, widerzuspiegeln. Wenn es viele unterschiedliche Eindrücke gab, dann beschreibe ich diese auch so, dass die Sätze, die Kontraste aufzeigen. Wenn es eine klare dramaturgische Kurve gab, dann versuche ich meinen Text auch so zu verfassen.

Maria: Inwiefern beeinflusst das Schreiben bzw. die Arbeit als tanzschreiber-Autor*in deine eigene künstlerische Arbeit?

Mimo: Ein Aspekt ist sicherlich, das Schulen meiner Sehgewohnheiten und das Wissen über die Themen, die gerade präsent sind, über wiederkehrende Themen und Stilmittel. Was meine eigene künstlerische Arbeit angeht, ist die natürlich im Moment aufgrund der aktuellen Fördersituation limitiert. Dennoch bin ich im Prozess, eine Soloarbeit zu entwickeln. In der Recherche setze ich mich mit Klassismus und meinem eigenen Klassenhintergrund auseinander. Und ich arbeite dafür auch mit dem gesprochenen Wort und Tanz. Zugänglichkeit spielt auch da eine große Rolle. Thematisch kommt das sicherlich aus einem generellen Frust, den ich mit mir herumtrage und dem Versuch, das ein bisschen besser zu navigieren. Geschichtenerzählen kann auf vielen verschiedenen Ebenen stattfinden. Die Arbeit mit tanzschreiber hat mich dabei sicherlich ermächtigt mit Text und Sprache zu arbeiten. Vor ein paar Jahren hätte ich mich noch nicht daran getraut. Ich finde es aber schön durch das gesprochene Wort eine weitere Ebene zu haben, die auch abstrakt sein kann. Der Tanz kann das Ganze unterstützen oder kontrahieren. Kunst kann eine so schöne Vermittlungsarbeit sein, die Themen, die in der Welt passieren, den Menschen auf einer anderen Ebene näherzubringen.
Ansonsten ist es einfach sehr spannend, mehr Teil einer Szene zu sein. Wenn auch aus dieser außenstehenden, aber auch irgendwie mitwirkenden Position. Die Autor*innenarbeit ist auch eine echt spannende Zwischenposition. Andererseits studiere ich im Moment Gender Studies, was natürlich auch meinen Blick auf die Welt prägt. Da gibt es viele Konzepte, die im Studium aufkommen, die ich mit in meine künstlerische und meine schriftstellerische Arbeit nehmen kann.
 

Veröffentlicht im April 2026. Text von Maria Ladopoulos.